Die Lesbe an sich feiert halt nicht so gern…huch, echt?

Die Lesbe an sich feiert halt nicht so gern…huch, echt?

Hüftlahm auf dem Katzensofa? Kurz vor dem Frauenkampftag schon schon wieder ein Soli-Aufruf: Rettet das OYA hier, rettet das Silver Future da … Und verlässlich füllen sich die Insta-Kommentarspalten mit: Diese Orte hätten sich ja nicht zufällig geleert, mit dem politischen Profil wurde eben das Ausgeh-Erleben beeinträchtigt, und die Lesbe an sich feiert halt nicht so gern…huch, echt? Ja, die Dancefloors bekam die einst legendäre L-Tunes schon lang nicht mehr voll, woran sicherlich die Location

nicht ganz unschuldig war. Auch die Sirene als letzte der einst vielen Berliner L-Bars wurde vor zehn Jahre weggentrifiziert. Und die Pandemie, die sich währenddessen wie ein Jahrzehnt anfühlte, und in der Rückschau wie ein Windchen vorbei zog, nahm der spaß-affinen Großstadt-Lesbe den letzten Groove, und seither sitzt sie hüftlahm auf dem Katzensofa und bewirbt sich für einen Slot im neuen RuT-Seniorinnenheim. So die Erzählung. Lesbische Happenings statt Stammkneipe Denen, die sich an die

lesbischen Achtziger erinnern, soll dieses Narrativ nicht genommen werden. Allerdings sieht die Berliner Realität für die Jahrgänge nach 1975 anders aus. Erstens nennen die sich u.a. auch FLINTA+, Lesben* und queere Frauen. Die leben zudem nicht unter einem Stein und wärmen sich an Legenden aus dem alten Jahrtausend, sondern hängen dienstags in der Olfe , mittwochs im Tipsy Bear, donnerstags im Stück und starten freitags vom Curly aus ins Wochenende, bevor sie sich bei der Slit im Lab oder

diversen Drag-King-Shows wegballern. Das Ende einer lesbenkulturellen Tradition bedeutet eben nicht das Ende lesbischer Kultur. Die Lesbe von heute wandert scheinbar gerne, und wenn sie sich nach harter Arbeit ihren Exzess verdient hat und den auch einfordert, findet der möglicherweise nicht mehr in der Stammkneipe statt, als wäre es 1987, sondern bei unregelmäßigen Happenings überall in der Stadt. Queere Frauen machen ihr Ding, wie immer Die Szene ist so wild wie eh, an jedem Tag der Woche

treffen sich...

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